Wie entstehen Zwergkoniferen

Zwergkoniferen oder Zwerggehölze entstehen auf verschiedene Weise:

Möglichkeit

Man findet im Wald oder am natürlichen Standort Pflanzen, die anders aussehen als die
üblichen, z.B. buntblättrige oder anderswüchsige (z.B. Hängeformen, auch besonders stark- oder besonders schwachwüchsige Pflanzen findet man gelegentlich.

Solche Pflanzen entstehen in der Regel als Sämlinge.

Möglichkeit

Besonders auffällige Sämlinge kann man auch in der Forstbaumschule finden.
Hier wachsen viele Pflanzen auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche..
Unter mehreren tausend Sämlingspflanzen findet man in der Regel eine Pflanze heraus,
die etwas anders aussieht, als die anderen.
Voraussetzung ist natürlich, daß man ein Auge dafür hat.

Möglichkeit

Man züchtet gezielt neue Sorten, indem man zwei Pflanzen miteinander kreuzt.
Obstgehölze, Gemüse- und Zierpflanzen werden so ebenso gezüchtet wie Rosen und Blumen.
Bei Koniferen ist die Kreuzung weniger gebräuchlich, bei Zwergkoniferen überhaupt nicht.
Zwergkoniferen bekommen erst im hohen Alter Samen, so daß sich Züchtungsergebnisse entsprechend spät (für das persönliche Erfolgserlebnis i.d.R. zu spät) einstellen.

Möglichkeit

Man findet einen Hexenbesen, veredelt diesen, und man hat eine neue Zwergform.
Durch Hexenbesen entstehen die meisten Zwergformen.
Mit dieser Form der Entstehung haben wir uns besonders beschäftigt und wollen sie
daher nachfolgend näher beschreiben.

Was ist ein Hexenbesen?

Bei Hexenbesen sind grundsätzlich zwei Arten zu unterscheiden:
Hexenbesen, die ihre Entstehung einer krankhaften Pilzinfektion (Taphrina cerasi)
oder Vireninfektion verdanken.
Hexenbesen, die aus einer Krospenmutation entstanden sind.

Die Pilz-/ Viren-Hexenbesen sind eigentlich die bekannten. Man findet sie häufig in
Moorbirken, in Kirschen (Prunus avium), Eichen,Ahorn und sehr häufig in Hainbuchen.
Auch in Koniferen (z.B. alle Juniperus-Arten) treten Hexenbesen dieser Art z.T. massenhaft auf. Gelegentlich findet man auf einer Pflanze gleich mehrere Hexenbesen.

Diese büschelartigen Gebilde in den Bäumen sind an der Basis in der Regel sehr dicktriebig.
Die Zweige werden zum Ende hin immer dünner. Viele abgestorbene zweige sind zu finden.
Die Triebe reifen nicht aus und frieren im Winter stark zurück. Das Veredeln dieser Hexenbesen zwecks Vermehrung ist wenig erfolgversprechend, weil sie entweder nicht anwachsen oder wieder normalwüchsig werden.
Für den Gärtner zur Vermehrung sind Pilz-/Viren-Hexenbesen daher nicht zu gebrauchen.
Sehr viel interessanter sind in dieser Hinsicht Hexenbesen, die aus Knospenmutation entstanden sind.
Die Veränderung entsteht in der Knospe. Der Wuchs ist stark verringert, die Triebe sind sehr stark verdickt und es bilden sich zahlreiche Knospen. Nach mehreren Jahren entsteht ein kleines, büschelartiges Gebilde, das im Bereich der Entstehungsknospe immer eine starke Verdickung aufweist. Wir nennen dies einen “echten Hexenbesen”. der Hexenbesen hat selten Ähnlichkeit mit der Pflanze, auf der er sich befindet. Die Nadeln können ganz anders sein
(dicker oder dünner, länger oder kürzer, rund benadelt oder flach benadelt) auch die Farbe ist
gelegentlich anders.
Wenn wir mehrere Hexenbesen von einer Art finden, dann gleicht keiner dem anderen.
Auch die Wuchsstärke ist sehr unterschiedlich. Von (relativ) starkwüchsig bis sehr
schwachwüchsig (mit nur wenigen Millimetern Jahrestrieb) gibt es jeden Übergang.
Diese “echten Hexenbesen” treten nur sehr selten auf und sind insofern durchaus als Besonderheit zu bezeichnen.

Abergläubische Menschen verbinden mit Hexenbesen unheimliche Vorstellungen,
etwa:
wo sich ein Hexenbesen im Garten befindet, steht Unglück ins Haus, oder
wer unter einem Hexenbesen schläft, steht nicht wieder auf.

In Südtirol befindet sich seit Jahrhunderten ein Hexenbesen bei Maria Saal. Der Hexenbesen wächst mitten in einer Waldlichtung auf einer stattlichen, mit einem Kruzifix geschmückten Lärche.
Von der Sonne beschienen ist diese Stelle durchaus als romantisch zu beschreiben. In dunkler Nacht aber sollen Hexen um die Lärche herum ihre “wilden “ Tänze aufführen, weshalb der Ort den Namen “Hexenbödele” erhielt.
Die Sage berichtet auch von einem Bauernknecht, der aufgrund einer Wette einmal gewagt hat, das Hexenbödele zur Mitternacht aufzusuchen. Der Mann soll nicht wieder nach Hause gekommen sein. Er sei von Hexen getötet worden.

Alljährlich gehen in der Walpurgisnacht Hexen besenreitend auf den Brocken (im Harz)
zum Hexentanzplatz. Die kleinen Hexen mit ihren Besen kann man dort heute in den
Souvenirgeschäften kaufen.
Mit diesen “unheimlichen Besen” haben wir uns etwas näher beschäftigt. Mein Vater ist nach
dem letzten Kriege beruflich sehr viel durch Wälder gewandert und hat dabei so manchen Hexenbesen in den Waldkiefern der Lüneburger Heide gefunden. Er hat sie durch Veredlung vermehrt und fand heraus, daß diese veredelten Pflanzen in Wuchs und Gestalt den Hexenbesen sehr ähnlich waren. Vor allem blieben die Pflanzen klein und verdienten die
Bezeichnung “Zwergkoniferen”.
In den Baumschulen waren Pflanzen dieser Art damals noch weitgehend unbekannt.
Zwergkoniferen aus Hexenbesen gibt es erst seit etwa 100 Jahren. Zuerst erwähnt ist wohl die Form Pinus sylvestris ‘Beauvronensis’, 1874 zuerst beschrieben und veredelt.
Beißner führt 1909 im DDG-Jahrbuch, Seite 198 die Entstehung eines Hexenbesen in einer von ihm gefundenen Fichte auf einen Unfall des Wipfels zurück.
Ab 1927 finden sich dann einige weitere Veröffentlichungen über Hexenbesen.

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